Nachbericht: Der Widerstand wurde lebendig"Die Weiße Rose" - Stadthalle, 15. April 2002 |
Hervorragend inszeniert von E. Dennewitz. Ein englisches Sprichwort lautet: Wenn du eine Botschaft hast, vergiss den Humor nicht." Regisseur Dennewitz mag diesen Satz im Ohr gehabt haben, als er "Die Weiße Rose" inszenierte. Sophie und Hans Scholl begegnen uns wie ganz normale Menschen, die das Leben lieben, die aber auch Verantwortung für andere übernehmen. Sie können nicht länger zusehen, wie Menschen sinnlos an der Front sterben und Juden abgeholt werden. Sie machen sich ihre Entscheidung gewiss nicht leicht. Aber als sie den Entschluss gefasst haben durch Flugblätter das deutsche Volk aufzuklären, da bleiben sie auch bei ihrer Entscheidung. Vor allem wird in dem Theaterstück deutlich, dass sie auch den Prinzipien, die sie sich gesetzt haben, treu bleiben; auch dann als sie in Einzelhaft sitzen. Beeindruckend und sehr glaubwürdig verkörpern Erika Spalke (Sophie Scholl), Bernhard Hackmann (Hans Scholl), Peter Meyer (Alexander Schorell), Stefan Gille (Christoph Probst), Gabriel Spagna (Wilhelm Graf), Robert Mohr (Jürgen-Helmut Keuchel), Harald Schwamm (Anton Mahler ) und Julius Bornmann (Bauer) die einzelnen Rollen. Das Ensemble zeichnet sich durch brilliantes Zusammenspiel aus. Das vorwiegend jugendliche Publikum honoriert die Leistungen der Schauspieler durch "Standing Ovations". Die kleine Diskussionsrunde, bestehend aus Oberstufenschülern und -schülerinnen der Theodor-Heuss-Schule ist verwundert über die Wandlungsfähigkeit der Schauspieler und Schapsielerinnen.
Abgeschminkt sind sie wirklich kaum wiederzuerkennen. Gefragt nach der Art und Weise der Vorbereitung auf das Stück, wird deutlich, dass zwar der Regisseur die Inszenierung bestimmt, sie sich selbst aber mit der Rolle intensiv durch weiterführende Literatur auseinandersetzen müssen. Dies wurde besonders bei den Protagonisten Erika Spalke und Hans-Helmut Keuchel deutlich. So erklärt Keuchel, dass er den Polizisten Robert Mohr, der Sophie Scholl verhört, bewusst menschlich gezeichnet habe, da der Zuschauer sich mit einer derartigen Figur eher auseinandersetze als mit einer "nur bösen" Gestalt. Erika Spalke hat zur Vorbereitung ihrer Rolle Auszüge aus Sophies Tagebüch gelesen.
Die Schüler und Schülerinnen empfanden es als wohltuend, dass sie als Diskussionspartner ernst genommen wurden. Sie waren erstaunt, dass den Schauspierln die Meinung der Zuschauer so wichtig ist.
Ein besonderer Dank geht an meine Kollegen und Kolleginnen Dr. Malte Brinkmann, Burckhard Frisch, Catrin Czaikowski, Christine Osterland, Julia Neukäter, Johannes Gröteke, Dr. Paula Georges und Christa Jahn, die das Theaterstück in den Klassen vorbereitet haben und somit die Aufführung selbst in Homberg erst ermöglicht haben. 250 Menschen, davon 220 Schüler und Schülerinnen, haben die erstklassige Aufführung des Hessischen Landestheaters gesehen. Der Homberger Kulturring wird versuchen jeweils im Frühjahr und im Winter eine Theateraufführung anzubieten.
Christine Beutelhoff
Hessisches Landestheater Marburg